

Newsfluencer sind unterhaltsame Ergänzung zu klassischen Nachrichten
Fast jeder dritte junge Erwachsene informiert sich regelmäßig bei Newsfluencern, das zeigt der Reuters Institute Digital News Report 2026. Der Großteil ist besonders an Nachrichten interessiert und verwendet auch klassische Nachrichtenmarken. Content von Newsfluencern gilt als unterhaltsamer und als leichter verständlich als klassische Nachrichten, jedoch nicht als vertrauenswürdiger.
Vier von fünf jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren (81 %) nutzen im Jahr 2026 mindestens mehrmals pro Woche Nachrichtenangebote in den Medien, wobei 39 Prozent angeben, dass sie äußerst oder sehr an Nachrichten interessiert sind. Die Zahlen sind etwas niedriger als im Vorjahr 2025, bewegen sich aber innerhalb der üblichen Schwankungsbreiten.
Das Internet ist für junge Erwachsene die am meisten genutzte und wichtigste Nachrichtenquelle
Etwa jeder Dritte (32 %) schaut sich Nachrichtensendungen regelmäßig im linearen Programmfernsehen an, aber die meisten jungen Erwachsenen informieren sich online über das Nachrichtengeschehen (81 %). Für drei Viertel von ihnen ist das Internet gleichzeitig die wichtigste Nachrichtenquelle. Auffällig in der aktuellen Erhebungswelle ist der starke Anstieg in der Nutzung sozialer Medien für nachrichtenbezogene Informationen. 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen erhalten ihre Informationen zum aktuellen Geschehen regelmäßig über Netzwerkplattformen und 44 Prozent betrachten sie als ihre wichtigste Quelle für Nachrichten. Das entspricht in beiden Fällen einem Plus von jeweils 10 Prozentpunkten.
Trotz dieses Anstiegs ist der Anteil der jungen Erwachsenen, der sich ausschließlich auf soziale Medien verlässt, wenn es um nachrichtliche Informationen geht, im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben; 17 Prozent der jungen Befragten nutzen keine weiteren Informationsquellen. Die am häufigsten von den 18- bis 24-Jährigen zur nachrichtlichen Information regelmäßig genutzten Plattformen sind Instagram (52 %), YouTube (28 %) und TikTok (23 %).
Trotz intensiver Nutzung kaum Vertrauen in Nachrichten in sozialen Medien
Den Inhalten in sozialen Medien schenken jedoch nur die Wenigsten Glauben. Lediglich zwölf Prozent stimmen der Aussage zu, man können Nachrichten in sozialen Medien meistens vertrauen. Den Nachrichtenmedien ganz allgemein vertrauen hingegen 37 Prozent der jungen Erwachsenen; jeder Dritte vertraut ihnen nicht. Damit ist das junge Nachrichtenpublikum etwas skeptischer als die Gesamtbevölkerung; hier vertrauen 46 Prozent der Nachrichtenberichterstattung im Allgemeinen. Mit Blick auf konkrete Nachrichtenmarken gelten für 18- bis 24-Jährige am ehesten die Nachrichtenangebote von ARD, ZDF und der Lokalzeitung als vertrauenswürdig.
Jeder Dritte nutzt Newsfluencer. Sie sind unterhaltsamer und leichter verständlich als klassische Nachrichten.
Bei den Informationen, die Newsfluencer in sozialen Medien oder Podcasts anbieten, steht hingegen nicht deren Glaubwürdigkeit im Vordergrund. Vielmehr gelten sie im Vergleich zu herkömmlichen Nachrichtenmedien als unterhaltsamer, als leichter zu verstehen und als authentischer, aber nicht als vertrauenswürdiger oder als unparteiischer. Innerhalb einer normalen Woche nutzt in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen knapp jeder dritte Onliner die Inhalte von Content Creators, die sich hauptsächlich mit Nachrichten befassen. Nur knapp 2 Prozent von Ihnen sind der Ansicht, dass durch Newsfluencer all ihre Nachrichtenbedürfnisse erfüllt werden. Der Großteil verlässt sich auf andere Quellen.
Auffällig ist zudem, dass es sich bei den Nutzenden eher um sehr an Nachrichten interessierte junge Erwachsene handelt, die sowohl eine überdurchschnittlich hohe nachrichtenorientierte Podcast- und KI-Chatbot-Nutzung aufweisen als auch klassische Nachrichtenangebote im Internet überdurchschnittlich häufig aufsuchen.
Nur wenige nutzen KI-Chatbots für Nachrichten
Acht Prozent der jungen Erwachsenen befragen innerhalb einer normalen Woche einen KI-Chatbot zum aktuellen Geschehen. Als wichtigste oder gar als einzige Nachrichtenquelle betrachtet so gut wie niemand diese Möglichkeit. Dahingehend gibt es keine ausschlaggebenden Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. Diejenigen, die KI-Chatbots im Kontext von Nachrichten nutzen, schätzen dabei die Möglichkeit, Nachfragen stellen zu können und komplizierte Themen zusammenfassen zu lassen. Allerdings besteht eine gewisse Skepsis gegenüber den erhaltenen Antworten. Lediglich 18 Prozent denken, man können den erhaltenen Informationen vertrauen, knapp die Hälfte verneint dies explizit (49 %).
Über die Studie
Der Reuters Institute Digital News Survey, koordiniert vom Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford, untersucht seit 2012 jährlich generelle Trends der Nachrichtennutzung. Im Jahr 2026 wurden dafür fast 100.000 Menschen in 48 Ländern befragt.
Für den deutschen Teil hat das Umfrageinstitut YouGov Ende Januar 2026 auf der Basis von Online-Access-Panels Stichproben gezogen, die für Internetnutzende im Alter ab 18 Jahren repräsentativ sind. Insgesamt wurden in Deutschland 2.001 Personen befragt, davon 172 Personen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut ist seit 2013 für die deutsche Teilstudie verantwortlich, die Erhebung im Jahr 2026 wurde von den Landesmedienanstalten, dem ZDF und der ARD unterstützt.