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Leonie Wunderlich
Dr. Leonie Alatassi
Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
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Forschungsüberblick April: KI-Chatbots, Nachrichtenmedien und Content Creators

KI-Chatbots als Vertraute, Content Creators als glaubwürdige Stimmen und Nachrichten, die sie in ihrer Lebenswelt abholen – digitale Medien prägen den Alltag junger Menschen tiefgreifend. Die neuesten Studien dazu hat Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung für diesen Überblick zusammengefasst.

14.4.2026 — Dr. Leonie Alatassi

KI-Chatbots als Freunde?

 

Kinder und Jugendliche wenden sich an KI-Chatbots wie ChatGPT, um sich von negativen Gefühlen abzulenken, Einsamkeit zu lindern oder vertrauliche Dinge zu besprechen. Das gilt insbesondere für diejenigen, die bereits eine depressive Symptomatik aufweisen. Fast ein Drittel von ihnen gibt in einer kürzlich erschienenen Studie zur Nutzung und zu Risiken von KI-Chatbots an, diesen Anwendungen Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem oder nur engen Freund:innen anvertrauen würden. In der Längsschnittstudie der DAK-Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurde eine repräsentative Gruppe von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren mit je einem Elternteil zu ihrem Umgang mit digitalen Medien befragt. Es zeigt sich, dass mehr als jeder oder jede vierte Befragte KI-Anwendungen mehrmals pro Woche nutzt. Ab dem Alter von 15 Jahren verwenden diese Anwendungen mehr als die Hälfte der Befragten mindestens wöchentlich. Außerdem kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass jedes fünfte Kind eine riskante Social-Media-Nutzung zeigt, welche das Potenzial hat, ihre körperliche oder psychische Gesundheit zu schädigen.

 

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Unabhängig und transparent: Erwartungen junger Erwachsener an Nachrichtenmedien

 

Junge Erwachsene in Österreich haben ein klares und klassisches Verständnis von Qualitätsjournalismus, welches sich darin zeigt, dass sie inhaltliche Korrektheit, gründliche Recherche, Objektivität, Unabhängigkeit, Transparenz sowie Perspektivenvielfalt von Journalismus erwarten. Sie vertrauen sowohl etablierten Marken als auch einzelnen Medienschaffenden, wobei ihnen eine eindeutige Abgrenzung zwischen Journalist:innen und Content Creators schwerfällt. Diese Einsichten bietet eine kürzlich erschienene Studie, in der die Erwartungen junger Erwachsener an Nachrichtenmedien sowie vorherrschende Annahmen österreichischer Medienschaffender über junge Erwachsene verglichen wurden, um Differenzen und Übereinstimmungen aufzuzeigen. Die Studie stützt sich auf qualitative Interviews mit 27 jungen Erwachsenen (18 bis 30 Jahre), 18 österreichischen Medienschaffenden (verschiedene Rollen, Mediengattungen und Hierarchieebenen) sowie 13 internationalen Expert:innen aus der Medienbranche. Der Vergleich zeigt: In vielen Punkten stimmen Medienschaffende und junge Erwachsene überein, beispielsweise bei Nutzungsgewohnheiten oder der Bedeutung von Lebensweltbezug, während strukturelle Hürden bei der Umsetzung von Maßnahmen identifiziert werden. Die Autorinnen der Studie schlussfolgern, dass Medienschaffenden oft die Nähe zur Zielgruppe fehle. Diversere Redaktionen und der konsequente Einbezug junger Erwachsener könnten helfen, diese Herausforderungen anzugehen.

 

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Jugendliche vertrauen Social-Media-Influencer:innen auch bei sensiblen Themen

 

Unter Jugendlichen gelten Social-Media-Influencer:innen (SMI) als relevant und vertrauenswürdig in Bezug auf verschiedene gesellschaftspolitische Themen, darunter auch sensible Fragen beispielsweise zu (mentaler) Gesundheit oder Sexualität. Die Social-Media-Persönlichkeiten genießen ein hohes Vertrauen bei Jugendlichen, insbesondere wenn diese ihnen in erster Linie altruistische Motive unterstellen. Diese Einblicke bietet eine aktuelle Studie von Forschenden aus Wien. In einem Citizen-Science-Projekt mit Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren (n = 386) haben die Teilnehmenden ihre Einschätzung zu gesellschaftspolitischen Beiträgen von Social-Media-Plattformen abgegeben. Die Forschenden zeigen, dass die Zuschreibung altruistischer Motive an SMIs sowie das Vorhandensein von Meinungen in ihren Inhalten wichtige Faktoren sind, die erklären, warum Jugendliche SMIs als vertrauenswürdig und deren soziopolitische Informationen als gesellschaftlich relevant wahrnehmen.

 

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