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Leonie Wunderlich
Dr. Leonie Alatassi
Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
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Forschungsüberblick Dezember: Social Media belastet Jugendliche – vor allem Mädchen

Jugendliche wünschen sich Social-Media-Nachrichtenhosts mit Identifikationspotenzial und mehr medienpädagogische Inhalte in Schulen – unter anderem darum geht es in den Studien, die sich Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung in diesem Monat angeguckt hat.

9.12.2025 — Dr. Leonie Alatassi

Alltagsrelevant und authentisch: So wollen Jugendliche ihre Nachrichten

Wie können Medienunternehmen erfolgreich mit jungen Zielgruppen kommunizieren? Indem Inhalte an die Lebenswelten der jungen Generation anknüpfen, plattformspezifisch erzählt werden und sofort fesseln. Außerdem sollen die Hosts Identifikationspotenzial mitbringen und Authentizität vermitteln. Diese Einsichten bietet eine kürzlich erschienene Studie von XPLR: MEDIA in Bavaria und dem Marktforschungsunternehmen iconkids & youth, in der Tiefeninterviews mit 12- bis 25-Jährigen (n=24) und 19 Experten:innen-Interviews mit Medienschaffenden aus Bayern geführt wurden. Außerdem interessant: Medien sollen komplexe Themen und Entwicklungen in die Lebenswirklichkeit der Nutzenden einordnen. Die Autor:innen schlussfolgern, dass das Community-Management entscheidend sei und der Dialog mit der Zielgruppe gefördert werden müsse, wobei Feedback ernst genommen und auch umgesetzt werden sollte. Dadurch würden langfristige Beziehungen entstehen, die kurzfristige Klickzahlen schlagen.

 

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Social-Media-Nutzung ist für viele Jugendliche belastend

Für viele Jugendliche geht die Nutzung von Social-Media-Plattformen mit erheblichen belastenden Gefühlen einher. Sie berichten von digitalem Stress, etwas mehr als ein Viertel empfindet teilweise sogar Schuldgefühle. Das zeigt eine aktuelle Studie, die im Auftrag der Vodafone Stiftung durchgeführt wurde. An der Befragung haben mehr als 1.000 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren teilgenommen. Weitere Erkenntnisse weisen darauf hin, dass insbesondere junge Frauen häufiger negativ betroffen sind, etwa durch soziale Vergleiche. So gibt über die Hälfte (52%) der weiblichen Befragten an, bereits von Ausgrenzung und Abwertung durch soziale Medien betroffen gewesen zu sein – im Vergleich zu 31 Prozent der männlichen Befragten. Ebenfalls relevant: Vielen Jugendlichen ist durchaus bewusst, dass sie zu viel Zeit auf Social Media verbringen. Sie entwickeln selbstständig Maßnahmen oder Strategien, um ihr Verhalten zu reduzieren, darunter das Deaktivieren von Mitteilungen (69%), Umschalten auf „Nicht stören“ (51%) oder aktive Vermeidung von sozialen Medien während der Lernzeiten (60%).

Die Mehrheit der Befragten fordert ein breiteres medienpädagogisches Angebot. Über 80 Prozent wünschen sich Unterrichtseinheiten zum besseren Umgang mit sozialen Medien oder zumindest Tipps für eine ausgewogene Nutzung sozialer Medien sowie eine regelmäßige „Social-Media-Sprechstunde“.

 

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Was und wie kommunizieren politische Influencer:innen bei Instagram und TikTok?

„Political Influencer“ – das sind Persönlichkeiten, die sich in den politischen Diskurs einmischen und ihre Inhalte auf Social-Media-Plattformen an eine große Followerschaft teilen. Sie setzen stark auf Emotionalisierung und Zuspitzung von Themen und stellen ihre persönliche Haltung in den Vordergrund. Dadurch werden politische Inhalte häufig subjektiv gefärbt vermittelt. Diese Erkenntnisse werden in einer kürzlich erschienen Studie geteilt, die von der Landesanstalt für Medien NRW herausgegeben wurde. Die Analyse umfasst insgesamt 1.000 Beiträge von 98 „Political Influencern“ (49 auf Instagram, 49 auf TikTok), die zwischen Januar und März 2025 veröffentlicht wurden und einen klaren politischen Bezug zur Bundestagswahl oder zu relevanten gesellschaftspolitischen Themen aufweisen. Außerdem interessant: Die Influencer:innen haben ihren inhaltlichen Fokus stark auf den parteipolitischen Wettbewerb, Personen und Wahlkampfinhalte gelegt, wohingegen klassische Politikfelder stark in den Hintergrund geraten sind. Als besonders besorgniserregend werden die Ergebnisse zu Desinformation und Feindbildkonstruktionen beschrieben. Knapp jeder dritte Beitrag von (eher) rechten „Political Influencern“ enthält desinformierende Aussagen oder problematische Vereinfachungen, die in den Plattformlogiken kaum korrektiv eingehegt werden.

 

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