

Forschungsüberblick Februar: Kurzvideos im Trend und Content Creators als Lehrkräfte
Jugendliche verbringen den Großteil ihrer Zeit mit Kurzvideos, interagieren zunehmend mit Inhalten politischer Content Creators und vertrauen Influencer:innen auch bei schulischen Fragen. Das zeigen die Studien, die Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung in diesem Monat zusammengefasst hat.
Kurzvideos sind bei jungen Menschen im Trend
Jüngere Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit auf audiovisuellen Plattformen wie YouTube, Netflix oder TikTok. Dabei konsumieren sie Bewegtbildinhalte sehr spontan, indem sie beispielsweise durch ihren Social-Media-Feed scrollen, aktuellen Trends folgen und virale Inhalte entdecken. Das zeigt eine Online-Befragung unter deutschsprachigen Personen ab 14 Jahren mit Internetzugang (n= 3.025), deren Ergebnisse die 14 Landesmedienanstalten kürzlich als „Video Trends 2025“ veröffentlicht haben. Im Vergleich gehen ältere Nutzende gezielter vor, wenn sie Videos oder Sendungen bewusst einschalten. Sie orientieren sich an festen, planmäßigen Gewohnheiten, anstatt Inhalte spontan zu entdecken. Ein weiteres Ergebnis: Über die Hälfte (60%) der 14- bis 19-Jährigen guckt mehrmals pro Woche TikTok-Videos. Viele verbringen mit Kurzvideos oft mehr Zeit, als ihnen lieb ist. Unter den Jugendlichen ist die ungewollte Nutzung am höchsten. Eine deutliche Mehrheit (72%) gibt an, TikTok häufig länger als gewollt zu nutzen, genauso wie Instagram-Reels (65%).
Politische Inhalte von Social-Media-Influencer:innen gewinnen an Bedeutung
Die Diskussion gesellschaftlich relevanter Themen durch Social-Media-Influencer:innen (SMI) zieht die Aufmerksamkeit des jungen Publikums auf sich. Jugendliche kommen mit politischen Inhalten von SMIs zwar nur gelegentlich in Kontakt, allerdings erhalten diese Videos mehr Aufrufe und Likes als nicht-politischen Inhalte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, in deren Rahmen eine Befragung unter 16- bis 22-Jährigen in Deutschland und Belgien (N = 2.800) mit einer Analyse von YouTube-Videos in beiden Ländern (N = 5.740) und ergänzenden Videometadaten (Aufrufe und Likes pro Videoaufruf) kombiniert wurde. Die Analyse legt zudem eine Zunahme von politischen Themen unter den Inhalten von SMIs im Laufe der Zeit nahe, was die Bedeutung von SMI für die politischen Kommunikation unterstreicht. Dabei werden politische Themen, die sich auf den Lebensstil beziehen (z.B. Geschlechterfragen, Gesundheit), von SMIs am häufigsten diskutiert und am meisten in Form von Kommentaren oder Reaktionsvideos präsentiert. Auch interessant: Videos im Kommentarstil und solche, die sich durch einen hohen Infotainment-Anteil auszeichnen, sind beim jungen Publikum am beliebtesten.
Sind Youtube-Creators und Influencer:innen die besseren Lehrkräfte?
Social-Media-Plattformen wie Instagram oder YouTube dienen nicht nur zur Unterhaltung, sondern werden von Jugendlichen zunehmend auch zum Lernen oder für Nachhilfe genutzt. Der Vorteil ist für viele Schüler:innen klar: Influencer:innen und YouTube-Creators können Sachverhalte und schulische Fragen besser erklären als ihre Lehrkräfte, wie fast zwei Drittel (64%) von ihnen finden. Das hat eine Befragung unter Schüler:innen weiterführender Schulen (n=502) zwischen 14 und 19 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. Digitale Lernmedien spiegeln die Lebenswelt von Jugendlichen wider und sind für viele nicht mehr wegzudenken. Laut Umfrage hätte ein Drittel (34%) der Befragten ohne Lernvideos auf Social-Media-Plattformen bestimmte Prüfungen nicht bestanden. Das unterstreicht die Notwendigkeit digitaler Angebote.