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Leonie Wunderlich
Dr. Leonie Alatassi
Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
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Forschungsüberblick März: WhatsApp-Kanäle, TikTok-Journalismus und Medienstrategien für junge Zielgruppen

Kinder und Jugendliche nutzen WhatsApp als Social-Media-Ersatz, erleben Nachrichten auf TikTok ambivalent und werden als eigenständige Mediengeneration gesehen Das zeigen die Studien, die Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung in diesem Monat zusammengefasst hat.

13.3.2026 — Dr. Leonie Alatassi

Kinder nutzen WhatsApp oft als Social Media Ersatz

 

Der Messenger-Dienst WhatsApp gehört bei Kindern und Jugendlichen zu den beliebtesten Apps. Seit der Einführung der „Kanal-Funktion“ 2023 kann dieser auch als Social-Media-Plattform genutzt werden. Eine aktuelle Studie der Landesanstalt für Medien NRW hat nun herausgefunden, dass insbesondere Kinder ohne Zugang zu sozialen Netzwerken aktiv WhatsApp-Kanäle betreiben, in aller Regel ohne das Wissen ihrer Eltern. Auf den Kanälen verbreiten sie Content in Form von Online-Tagebüchern, Tanzvideos oder Tipps zu Themen wie Liebe und Beziehung. In der Studie wurden 100 von Minderjährigen betriebene Kanäle inhaltlich untersucht und Nutzende zwischen 12 und 18 Jahren zu ihrer WhatsApp-Nutzung und Motivation befragt.

 

Besorgniserregend ist unter anderem der Befund, dass nicht nur Gleichaltrige, sondern auch zahlreiche Erwachsene den minderjährigen Kanalbetreibenden folgen. Da Kinder etwa beim Anlegen von Chatgruppen zwangsläufig ihre Telefonnummer veröffentlichen, setzen sie sich so unbewusst erheblichen Gefahren aus. Die Autorinnen empfehlen, dass Eltern mit ihren Kindern über die Kanal-Funktion sprechen sollten, bevor diese beginnen, WhatsApp zu nutzen. Außerdem sollten sie klare Regeln festlegen, welche Inhalte gepostet werden dürfen und welche besser privat bleiben. Aus Sicherheitsgründen sollten Informationen wie zum Beispiel Hinweise auf den Wohnort, regelmäßige Aufenthaltsorte oder die Identität der Kinder grundsätzlich nicht geteilt werden.

 

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Wie nehmen junge Menschen professionellen Journalismus auf TikTok wahr?

 

Während TikTok immer beliebter wird, haben junge Menschen nur begrenztes Interesse an Nachrichten aus traditionellen Quellen auf der Plattform. Forschende aus den Niederlanden haben in einer kürzlich erschienen Studie untersucht, ob es einen Platz für professionelle Nachrichten auf TikTok gibt und welche Erfahrungen junge Menschen mit TikTok machen. Dazu wurden Einzelinterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 24 Jahren geführt (n= 99). Es zeigt sich, dass die Befragten eine ambivalente Erfahrung von gleichzeitigem Genuss und anschließendem Bedauern auf TikTok haben. Damit sind vier Erfahrungsdimensionen verbunden: TikTok als Ort der Zuflucht (Räumlichkeit), die Bestätigung durch den eigenen Feed (Positionierung), die Befreiung von der Pflicht, mit sozialen Kontakten zu interagieren (Nicht-Sozialität) sowie die Erfahrung, für eine Weile „ausgeschaltet“ zu sein (Entkörperlichung).

 

Zur Rolle von Journalismus deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass professionelle Nachrichtenmedien zwar das Potenzial haben, junge Menschen auf TikTok anzusprechen, indem sie ihnen interessante und zuverlässige Inhalte bieten, die ihren Informationsbedürfnissen entsprechen. Allerdings besteht das Risiko, dass die Nachrichtenwürdigkeit und der unverwechselbare Wert des Journalismus auf bloße „Informationen“ reduziert werden, die sich nicht mehr von weniger zuverlässigen Quellen unterscheiden lassen. Die Forschenden schlussfolgern unter anderem, dass weitere Experimente erforderlich sein könnten, um den Wert und die Attraktivität von professionell für TikTok produzierten Nachrichten zu testen.

 

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Plattformen, Profile, Personal: Drei Medienstrategien zur Einbindung junger Menschen 

 

Medienunternehmen verfolgen drei unterschiedliche Strategien zur Einbindung junger Menschen: Nutzung von Social-Media-Plattformen, um ein junges Publikum anzusprechen (Plattformstrategie), Nutzung von Content Creators und Influencer:innen, um junge Menschen zu begeistern (Profilstrategie) sowie Einbezug der Perspektiven junger Menschen in die Produktion von Inhalten, um von ihrem digital-affinen Verhalten zu lernen und Medieninhalte auf ihren Geschmack zuzuschneiden (Personalstrategie). Diese Einblicke bietet eine aktuelle Studie, in der Interviews mit zwanzig norwegischen Medienmanagern geführt wurden. Ziel war es, Strategien zu untersuchen, mit denen junge Zielgruppen mit und ohne Plattformen von Drittanbietern erreicht werden können. Außerdem interessant: Übergreifend herrscht die Auffassung, dass junge Menschen eine eigenständige Mediengeneration darstellen, die neue redaktionelle Praktiken erfordert, um sicherzustellen, dass sie informiert, eingebunden und unterhalten werden. Dabei besteht die Schwierigkeit, dass Medienunternehmen ein Gleichgewicht zwischen demokratischer Verantwortung und der Notwendigkeit, junge Menschen anzusprechen, finden müssen.

 

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