

Forschungsüberblick Mai: Junge Menschen nutzen zunehmend Kurzvideos
Die Nachrichtennutzung junger Menschen hat sich zugunsten von Social-Media-Apps verlagert, aber der Glaubwürdigkeit von TikTok stehen sie kritisch gegenüber. Das zeigen die Studien, die Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung | HBI dieses Mal im Forschungsüberblick zusammengefasst hat.
Social first: Junge Erwachsene informieren sich über Social Media
Seit mehr als einem Jahrzehnt dokumentiert der Reuters Institute Digital News Report grundlegende Veränderungen in der Art und Weise, wie junge Erwachsene über Nachrichten denken und diese nutzen. Ein kürzlich erschienener Report bündelt diese Erkenntnisse. Ein wichtiger Befund: Während 18- bis 24-Jährige ihre Nachrichten vor über zehn Jahren noch hauptsächlich über Online-Nachrichtenseiten und Apps von Verlagen bezogen, orientieren sie sich bei der Nutzung heute eindeutig eher an sozialen Medien. Besonders beliebt sind dabei audiovisuelle Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube. Dort schenken junge Menschen nach eigenen Angaben einzelnen Nachrichtenproduzenten (51%) mehr Aufmerksamkeit als traditionellen Nachrichtenmarken (39%). Die Autor:innen betonen, dass junge Erwachsene eine offene Zielgruppe darstellen, die oft Vorreiter beim Experimentieren mit neuen Technologien wie KI ist und dem Einsatz im Journalismus offener gegenübersteht.
Wie junge Menschen Informationen auf TikTok verifizieren
Junge Erwachsene stehen der allgemeinen Glaubwürdigkeit von TikTok grundsätzlich skeptisch gegenüber und stützen sich bei der Beurteilung einzelner Beiträge stark auf die Autorität der Quelle als Heuristik. Das ist eine zentrale Erkenntnis der gerade erschienenen Studie von zwei Forscherinnen zu Bewertungspraktiken junger Menschen auf der Kurzvideoplattform TikTok. Sie haben dazu eine Tagebuchstudie mit 18- bis 24-Jährigen sowie Einzelinterviews (n= 46) durchgeführt. Es zeigt sich, dass die Teilnehmenden überwiegend interne Verifizierungsstrategien anwenden, wobei sie sich auf ihr eigenes Wissen und ihre Intuition stützen. Externe Strategien nutzen sie nur gelegentlich, hauptsächlich durch das Überprüfen der Kommentarbereiche unter Videos. Einzelne Merkmale von Beiträgen spielen bei der Bewertung von Glaubwürdigkeit eine eher unterstützende Rolle, da die Eigenschaften von TikTok, insbesondere die Ausrichtung der Plattform auf Unterhaltung und Ästhetik, eine eindeutige Interpretation von Hinweisen erschweren.
Video Trends 2025: Kurzvideos gehören zum Alltag dazu
Der Konsum von Kurzvideos gehört mittlerweile fest zum Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Am beliebtesten sind die Kurzvideoformate Reels (Instagram), Shorts (YouTube) und TikToks (TikTok), von denen sich nahezu alle 14- bis 29-Jährigen mindestens eines regelmäßig anschauen. Das zeigt die aktuelle Video Trends Studie der Medienanstalten, bei der Personen ab 14 Jahren in Deutschland (n=3.025) an einer Online-Umfrage teilgenommen haben. Ein weiteres Ergebnis: Audiovisuelle Inhalte dienen nicht nur der Unterhaltung, sondern sind ein fester Bestandteil des politischen Informationsverhaltens. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland sieht zumindest gelegentlich TikToks, Reels oder Shorts zu politischen oder gesellschaftlichen Themen. Für jede fünfte Person spielten Kurzvideos sogar eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei der eigenen Wahlentscheidung sowie bei der Meinungsbildung. Die Studie zeigt auch, dass sich insbesondere junge Menschen (48%) deutlich besorgter gegenüber Falschnachrichten in Kurzvideos zeigen als ältere Personen ab 50 Jahren (33%).