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Leonie Wunderlich
Dr. Leonie Alatassi
Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
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Forschungsüberblick Oktober: So bewerten junge Menschen den Informationsgehalt von KI und Medien

Welche Inhalte finden junge Menschen tatsächlich informativ? Wie stehen Kinder und Jugendliche in Europa zu einem Social-Media-Verbot? Wie nutzen sie KI-Tools? Das untersuchen die Studien, die Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung | HBI in diesem Monat zusammengestellt hat.

27.10.2026 — Dr. Leonie Alatassi

Jüngere nutzen zunehmend KI-Tools und weniger Nachrichtenangebote

 

Die private Nutzung von KI-Tools ist bei jungen Menschen gestiegen: Rund 92 Prozent der 14- bis 29-Jährigen verwendet ChatGPT und Co. zumindest ab und zu, mehr als zwei Drittel sogar wöchentlich. Hinsichtlich der Nutzungsdauer interagieren junge Menschen deutlich länger (durchschnittlich 67 Minuten täglich) mit KI-Tools als etwa 50- bis 69-Jährige (28 Minuten). Zu diesem Schluss kommt die kürzlich veröffentlichte ARD/ZDF-Medienstudie 2026, die jährlich die Mediennutzung ab 14 Jahren in Deutschland untersucht. Für die diesjährige Studie wurden 2462 Personen telefonisch und per Onlinepanel befragt. Die häufigere Nutzung führt bei den 14- bis 29-Jährigen auch zu einem höheren Vertrauen: 62 Prozent derjenigen, die KI-Tools mindestens einmal monatlich nutzen, schätzen die Informationen als vertrauenswürdig ein. Mehr als Dreiviertel wünschen sich aber Quellenangaben. Die Ergebnisse zeigen auch, dass junge Menschen am ehesten dazu neigen journalistische Angebote durch KI-Tools zu substituieren. Fast ein Viertel nutzt dadurch Nachrichtenangebote seltener als vorher.

 

Zur Studie

 

Was ist für junge Menschen informativ?

 

Mit der Etablierung von sozialen Medien als Informationsraum hat sich auch das Verständnis darüber verändert, was Nachrichten sind. Dabei deckt sich das, was Forschende oder journalistische Akteur:innen als Nachrichten betrachten oft nicht mit dem, was das Publikum als solche wahrnimmt. Mittels acht Fokusgruppen mit jungen Erwachsenen wurde in einer kürzlich erschienen Studie untersucht, welche Inhalte für junge Menschen informativ, das heißt neu oder nützlich, sind. Die Teilnehmenden haben verschiedene Aufgaben erledigt und verschiedene Arten von Inhalten und Akteur:innen nach ihrer „Informativität“ eingeordnet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmenden verschiedene Aspekte einbeziehen, um zu bestimmen, inwiefern Inhalte informativ sind. Dazu zählen informative Praktiken und Normen, Relevanz und Bezugsfähigkeit, akteursspezifische Aspekte, Nützlichkeit und plattformspezifische Aspekte. Diese Dimensionen werden flexibel über Nachrichten und Nachrichtenmedien als normativen Standard hinaus und unabhängig davon angewendet.

 

Zur Studie

 

Wie stehen Kinder und Jugendliche selbst zum Social Media Verbot?

 

In Australien dürfen sich unter 16-Jährige seit Dezember 2025 keine Profile mehr auf sozialen Medien anlegen. Wie stehen Kinder und Jugendliche selbst zu diesen Einschränkungen? Antworten auf diese Frage liefert eine groß angelegte Studie mit knapp 30.000 Personen im Alter zwischen 9 und 16 Jahren aus 19 europäischen Ländern: Die befragten Kinder stehen altersbezogenen Beschränkungen sehr zwiespältig gegenüber: Ein Drittel gibt an, dass sie sich online sicherer fühlen würden, 45 Prozent sind anderer Meinung. Ihre Bedenken beziehen sich auf Freiheit, Verantwortung, soziale Kontakte, Bildung und demokratische Teilhabe. Generell hat nur knapp die Hälfte (48 Prozent) das Gefühl, sich online sicher zu fühlen und sechs von zehn Kindern (61 Prozent) sagen, sie wüssten, was zu tun ist, wenn sich jemand online auf eine Weise verhält, die ihnen nicht gefällt. Die Autor:innen der Studie schlussfolgern, dass Verbote in den sozialen Medien für sich genommen kaum wirksam oder ausreichend sein dürften. Ein ausgewogenerer Ansatz würde altersgerechte Schutzmaßnahmen, „Safety by Design“, die Rechenschaftspflicht der Plattformen, digitale Kompetenz, Unterstützungssysteme sowie die Berücksichtigung der Rechte der Kinder auf Mitbestimmung, Information und soziale Kontakte miteinander verbinden.

 

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So bewerten junge Menschen interventionistischen Journalismus

 

Soll Journalismus objektiv beobachten oder aktiv in gesellschaftliche Geschehen eingreifen? Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen, dass junge Menschen Objektivität zwar nach wie schätzen, diese jedoch zunehmend als Fairness und Transparenz und weniger als strenge Neutralität verstanden wird. Auf der Grundlage von 30 ausführlichen Interviews mit österreichischen jungen Erwachsenen (18- bis 27-Jährige) wurde die Legitimität des interventionistischen Journalismus in Abhängigkeit von dessen Formen, Themen und Plattformen untersucht. Es zeigt sich auch: Interventionistischer Journalismus wird als angemessen angesehen, wenn Journalist:innen sich auf Fakten stützen, transparent sind und Themen von klarer gesellschaftlicher Bedeutung behandeln. Bemerkenswert ist, dass die Erwartungen je nach Plattform variieren: In traditionellen Medien wird Neutralität bevorzugt, während in den sozialen Medien engagierte und werteorientierte Berichterstattung nicht nur akzeptiert, sondern sogar erwartet wird.

 

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