

dpa schafft mit NewZ Club Raum für junge Perspektiven
Die Deutsche Presse-Agentur hat in Berlin ein Austauschformat gestartet, das junge Menschen und erfahrene dpa-Journalist:innen zusammenbringt. Ann-Marie Utz und Sabrina Szameitat betreuen das Projekt. Im Interview sprechen sie über die Idee hinter dem NewZ Club und darüber, wie junge Themen besser in der Berichterstattung abgebildet werden können.
Im NewZ Club der dpa können Menschen unter 26 Jahren mit erfahrenen Journalist:innen darüber diskutieren, was ihnen in der Berichterstattung fehlt, welche Trends es gibt und wie ihr eigener Social-Media-Feed aussieht. Die Redaktionen wollen so besser verstehen, wie aktuelle Diskurse und Social-Media-Plattformen funktionieren, wie ihre Inhalte junge Menschen erreichen und wie sie deren Perspektiven zeigen können. Die Teilnehmenden des NewZ Clubs erhalten Einblicke in die Arbeit der Redaktionen und werden Teil einer Community junger Medieninteressierter.
Im Interview erzählen Ann-Marie Utz und Sabrina Szameitat, wie der NewZ Club in der Praxis funktioniert und wie der Input der Teilnehmenden in die redaktionelle Arbeit einfließen soll. Sabrina Szameitat ist Reporterin am Panorama-Desk der dpa. Ann-Marie Utz ist Video-Redakteurin bei der dpa und Projektleiterin des NewZ Clubs.
#UseTheNews: Warum findest du es persönlich wichtig, die Perspektive junger Zielgruppen in der redaktionellen Berichterstattung mitzudenken und welche Blaupause erhoffst du dir vom Projekt?
Sabrina Szameitat: Wir decken als Nachrichtenagentur alle relevanten Themen ab, über alle Ressorts hinweg und immer aktuell. Dabei sollten unsere Nachrichten auch möglichst viele Menschen über alle Altersgruppen erreichen. Gerade viele junge Menschen informieren sich heutzutage über soziale Medien und sehen dort auch Themen, die für sie relevant sind. Für uns als Nachrichtenagentur ist es wichtig, diese Themen mitzudenken, denn jüngere Zielgruppen gehören ebenfalls zu unseren Leserinnen und Lesern und sind damit ein zentraler Teil unseres Publikums.
Wir wollen zukunftsorientiert arbeiten und auch die nächste Generation mit unseren Themen erreichen. Gerade Trends und Debatten, die auf Social Media entstehen, sind zunehmend relevant für die gesamtgesellschaftliche Berichterstattung. Genau das wollen wir stärker abbilden und früher dran sein. Vom Projekt erhoffen wir uns eine Blaupause, die uns zeigt, wie wir systematisch die Perspektive junger Menschen in unsere redaktionelle Arbeit integrieren können.
Wie sieht der Austausch im NewZ Club konkret aus und wer sitzt da an einem Tisch?
Sabrina Szameitat: Wir haben für unser Pilotprojekt insgesamt zwölf Sessions geplant, mit einer längeren Sommerpause dazwischen. Wir treffen uns einmal wöchentlich zum Austausch und bieten gleichzeitig Input aus unserem dpa-Netz, zum Beispiel Einblicke, wie in den einzelnen Redaktionen gearbeitet wird.
Konkret sieht der Austausch so aus, dass wir häufig in Gruppenarbeit starten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten, welche Themen sie in der jeweiligen Woche bewegt haben, was in ihrem Feed erscheint und warum sie das interessiert. Anschließend besprechen wir das gemeinsam in der großen Runde. Die erste Hälfte des Projekts war eine Mischung aus Online- und Präsenzterminen. Bei den Präsenzterminen gibt es im Anschluss Pizza, was den Austausch natürlich noch einmal auflockert. Wir waren auch schon in unserem Videostudio zu Besuch und planen weitere Ausflüge zu anderen Redaktionen, um den Teilnehmenden möglichst viele Einblicke in die journalistische Praxis zu geben.
Woher kommen die beteiligten jungen Menschen und können Interessierte sich noch anmelden?
Ann-Marie Utz: Am NewZ Club nehmen 21 junge Menschen aus Berlin und Potsdam teil. Erreicht haben wir sie über Hochschulen, Netzwerke und einen offenen Bewerbungsaufruf auf Social Media. Entscheidend war nicht journalistische Erfahrung, sondern die Bereitschaft, eigene Themen, die eigene Mediennutzung und den eigenen Blick auf Berichterstattung einzubringen.
Dass die erste Kohorte aus einer Region kommt, ist eine bewusste Entscheidung: Zum Format gehören Präsenztermine im Berliner Newsroom und wir wollten in der Pilotphase eine Gruppe, die sich regelmäßig persönlich trifft. Uns ist klar, dass 21 Menschen aus Berlin und Potsdam nicht „die junge Generation" abbilden. Darum geht es in diesem Schritt auch nicht. Wir wollen zuerst herausfinden, wie so ein Austausch funktioniert, welche Formate klappen, welcher Rhythmus passt, wie Impulse den Weg in die Redaktion finden.
Eine Anmeldung ist derzeit nicht möglich. Unser Ziel wäre es, nach dem Piloten ein Format zu entwickeln, das sich auf weitere Regionen und auf andere Gruppen von Menschen übertragen lässt. Die Frage, ob sich möglichst viele und unterschiedliche Menschen in unserer Berichterstattung wiederfinden, stellt sich nicht nur bei den unter 26-Jährigen.
Wie garantiert die dpa, dass die Erkenntnisse in die tägliche Arbeit einfließen? Und wie profitieren die Kunden davon?
Ann-Marie Utz: Die Impulse der Teilnehmenden werden gesammelt, gemeinsam mit uns eingeordnet und an die zuständigen Ressorts weitergegeben. Die Teilnehmenden erfahren, welche Vorschläge aufgegriffen wurden und warum andere nicht. Konkret läuft das bisher über Feedbackrunden zu Beiträgen und Themen aus dem dpa-Dienst. Trifft ein Thema die Lebensrealität der Teilnehmenden? Welche Fragen fehlen? Sind Sprache, Schwerpunkt und Format verständlich?
Für unsere Kunden ist die Erwartung, dass Themen und Narrative aus dem Alltag junger Menschen früh sichtbar sind, klar eingeordnet werden und damit relevante Themenentscheidungen und passende Umsetzungen möglich sind. Ob und wie stark dieser Effekt mit unserem Projekt vermehrt eintritt, soll der Pilot zeigen.
Foto oben: Kay Nietfeld


