Nele und Luisa im Interview schmal
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"Es ist sehr cool zu sehen, dass die Schüler:innen verstehen, was man ihnen erzählt"

Mittelstufen-Schülerin Nele ist MedienScout an einer Hamburger Schule und bringt jüngeren Schüler:innen Medien- und Nachrichtenkompetenz in Form von Workshops und Input näher. Im Interview spricht sie über die Arbeit als MedienScout und die Workshops, die sie geben.

23.1.2026

Nele ist 14 Jahre alt, geht in die 9. Klasse des Luisen-Gymnasiums in Hamburg-Bergedorf und sie ist seit eineinhalb Jahren bei den MedienScouts dabei. Im Januar hat sie ein dreiwöchiges Praktikum bei #UseTheNews gemacht und wurde dabei von Schülerpraktikantin Luisa interviewt.

 

Luisa: Wie bist du zu den MedienScouts gekommen?

Nele: Zwei Lehrkräfte wollten das Projekt gerne an unsere Schule holen, weil sie das bei TIDE  gesehen haben, die die Medienscouts ausbilden. TIDE hatte eine Ausschreibung gemacht, die uns von unseren Lehrerinnen per Mail verschickt wurde. Meine Freundin und ich fanden das spannend und haben uns daraufhin beworben. TIDE ist der Bürger:innen-Sender in Hamburg, der Menschen ausbildet, die gerne in die Branche wollen. Zusätzlich bietet TIDE Bürger:innen an, kostenlos ihre eigenen Formate zu produzieren.

 

Was macht man bei den Medienscouts genau? Was sind deine Aufgaben?

Die Aufgaben sind vielfältig. Es gibt die Recherche zu neuen Themen, die wir den Schüler:innen näherbringen wollen. Präsentationen und Workshops entwickeln aus der Recherche gehört auch dazu. Und man muss das natürlich gut und einfach erklären können und an das Alter anpassen. Wir haben in der Ausbildung auch Methoden gelernt, um das zu machen, z.B. interaktiv mit Spielen oder Umfragen. Der größte Teil der Arbeit als MedienScout ist aber, die Workshops in den Klassen zu geben. Meistens sind wir ein- bis zweimal im Monat in der 5. bis 7. Klasse. Die Inhalte sind in die Klassenstufen eingeteilt, das hängt auch von der Komplexität des Themas ab und welche Methoden wir verwenden - das sind zum Beispiel Fake News, Cybergrooming, KI und Deepfakes, Datenschutz oder Urheberrecht.

 

Hast du vielleicht ein konkretes Beispiel? Wie läuft so ein Workshop ab?

Ja, beim Workshop Datenschutz und Apps, bei dem es um persönliche Daten, Passwörter, aber auch In-App-Käufe geht, fangen wir direkt mit einem Spiel an. Dabei sitzt die Klasse in einem Stuhlkreis, in der Mitte sitzt ein:e Schüler:in mit einer Augenbinde und auf dem Boden verteilt liegen Karten, die mit persönlichen Daten beschriftet sind. Dann geht es darum, dass die anderen Schüler:innen versuchen die „Daten“ zu klauen, während die Person, die in der Mitte sitzt, versucht dies zu verhindern, indem sie die  Diebe „erhört“. Danach erzählen die Schüler:innen, was sie geklaut haben und was sie jetzt zum Beispiel mit einem Foto der Person machen könnten.

Mit diesem Spiel versuchen wir, der Klasse interaktiv die Risiken des Postens von persönlichen Daten näher zu bringen und den Prozess zu veranschaulichen. Man merkt dabei auch, dass den meisten Schüler:innen erst nach diesem Spiel klar wird, wie gefährlich das Veröffentlichen von Persönlichen Daten ist. Oft ist ihnen das vorher nicht richtig bewusst oder sie machen sich keine Gedanken darüber.

 

Das klingt sehr spannend. Wie viele Medienscouts von deiner Schule haben diese Ausbildung gemacht?

Wir waren mal zu neunt, aktuell sind wir sieben oder acht. Das wechselt immer, wir sind in der 8. Klasse dazu gekommen und die, die jetzt in die 11. Klasse gekommen sind, haben wieder aufgehört. An unserer Schule kommen die MedienScouts meist aus der Mittelstufe (8.-10. Klassse). Die Arbeit ist aber freiwillig, das heißt wenn man im Laufe des Schuljahres keine Lust mehr hat mitzumachen, kann man jederzeit aufhören.

Schülerinnen bei #UseTheNews
Nele und Luisa (v. links) beim Interview im #UseTheNews-Büro

Wie ist es für dich bei den MedienScouts zu sein?

Es ist sehr cool zu sehen, dass die Schüler:innen verstehen, was man ihnen erzählt und dass sie mit neuem Wissen aus diesem Workshop gehen. Aber auch zu sehen, dass es etwas bringt und es einen Nutzen hat, was wir machen. Es ist ein anderes Arbeiten, ein selbständigeres Arbeiten, als der klassische Schulunterricht, mehr Projektarbeit. Außerdem konnte ich schon viele Kontakte mit anderen Medieninteressierten, aber auch Kontakte in die Medienbranche knüpfen. Ich bin zum Beispiel über die MedienScouts zu meinem Praktikum hier bei #UseTheNews gekommen.

 

Siehst du Fortschritte, wenn du in die gleiche Klasse gehst, in der du schonmal warst?

Unser Ziel ist es, dass alle Klassen bis zur siebten alle unsere Workshops gemacht haben. Wir haben jeweils ein bis zwei Themen pro Jahrgang. Nächstes Jahr wollen wir das an meiner Schule intensivieren. Aber ich war auch schon in einer Klasse doppelt und man merkt, dass etwas hängen bleibt und sie mehr Bescheid wissen. Am Ende sind die meisten sehr interessiert und stellen Fragen, auch weil ihnen die Themen wichtig sind, da sie sich täglich im Netz bewegen. Wir versuchen, die Workshops schon immer an die Lebensrealität der Schüler:innen anzupassen.

 

Was findest du am besten von deinen Tätigkeiten, die du machst?

Das Arbeiten mit anderen Schüler:innen macht mir einfach mega viel Spaß. Wenn ich sehe, wie sie mit dem was ich oder wir versuchen, ihnen näher zu bringen lernen. Ich finde das einfach total wichtig, weil es auch etwas mit Demokratiestärkung zu tun hat: Das man sich gut auskennt, wie man im Netz, mit Social Media und KI umgehen kann. Es freut mich, dass ich dazu meinen kleinen Beitrag leisten kann. Ich habe auch erstmal vor, das weiterzumachen.

 

Cool. Was findest du am nervigsten an der Arbeit als MedienScout?

Also, das ist jetzt eine persönliche Sache, aber manchmal, wenn das Team nicht ganz harmoniert. Zum Beispiel, wenn sich jemand nicht an Absprachen hält. Mir ist Verlässlichkeit wichtig und deshalb nervt mich das manchmal. Und, es sind immer noch Fünft- bis Siebtklässler:innen und die können manchmal auch nervig sein. Weil ihnen doch etwas anderes wichtiger ist als der Workshop oder weil sie mit ihren Freund:innen quatschen. Da gibt es auch aber „bessere“ und „schlechtere“ Tage und Klassen. Aber im Großen und Ganzen macht mir das sehr viel Spaß.

 

Super, dann habe ich glaube ich keine Fragen mehr. Vielen Dank für das Interview!

Gerne!