

Westermann im Interview: Mit Ideathons Demokratie in Schulen stärken
Im Rahmen der Kampagne "Demokratie lebt!" schreiben Westermann und #UseTheNews ein Ideathon-Format für Schulen aus, bei dem Schüler:innen eigene Lösungsansätze und Projekte entwickeln können. Westermann-Geschäftsführerin Nicole Bornemann spricht im Interview über die Idee und warum Demokratiekompetenz wichtig ist.
Die Studie zum Projekt ZUVERSICHT hat gezeigt: Vielen in Deutschland fehlt es an Zuversicht für die Zukunft. Zudem mangelt es an Vertrauen in Politik und Medien und dem Gefühl, selbst etwas bewegen zu können – auch bei jüngeren Menschen. Um die Selbstwirksamkeit und das Gemeinschaftsgefühl wieder zu stärken, hat das Projekt ZUVERSICHT im vergangenen Jahr drei Ideathons organisiert, bei denen Lösungsansätze entwickelt wurden.
Westermann und #UseTheNews haben das Format nun gemeinsam für Schulen adaptiert: Sie laden Schulklassen und AGs in Jahrgang 8 oder 9 dazu ein, beim Projekt ZUVERSICHT mitzumachen und eigene Ideen im Rahmen eines Projekttages zu entwickeln. Zwei Ideathons in Hamburg und Hannover sind bereits in Planung. Auf zwei weitere können interessierte Schulen sich bis zum 15. Juni 2026 mit ihren Projektideen bewerben. Sie werden dann von erfahrenen Medienpädagog:innen und Coaches begleitet.
Nicole Bornemann, Geschäftsführerin von Westermann Service und Beratung und Kuratoriumsmitglied bei #UseTheNews, erzählt im Interview, warum das Thema für Westermann so wichtig ist und was sie sich persönlich von dem Projekt wünscht.
#UseTheNews: Westermann setzt sich schon länger für die Förderung von Demokratiekompetenz in Schulen ein – jetzt auch mit der Ausschreibung für die Ideathons. Warum ist dir das Thema persönlich wichtig?
Nicole Bornemann: Schulen sind der zentrale Ort, an dem wir alle Schülerinnen und Schüler von den Stärken unserer demokratischen Grundordnung überzeugen können. Mir ist wichtig, dass junge Menschen die Vorteile unserer Demokratie konkret erleben, denn nur so wird ihnen bewusst, warum es sich lohnt, für sie einzustehen. In einer Zeit, in der sie durch Desinformation im Netz gezielt in die Irre geführt werden, müssen wir dort aktiv werden, wo wir zur Demokratiebildung beitragen können.
Westermann hat durch seine Kontakte zu Schulen in ganz Deutschland die Möglichkeit, diese in ihren Aktivitäten zu unterstützen. Mit #UseTheNews haben wir dafür einen starken Partner im Bereich der Nachrichten- und Informationskompetenz an unserer Seite – ein zentraler Grundpfeiler der Demokratiebildung.
Die Studie zum Projekt Zuversicht hat gezeigt, dass viele junge Menschen das Gefühl haben, wenig bewirken zu können. Was hat Westermann dazu bewogen, mit dem Ideathon-Format in Schulen zu gehen – und warum jetzt?
Die Grundidee des Projekts ZUVERSICHT ist, dass Engagement für Gesellschaft und Demokratie wächst, wenn Menschen erleben, dass sie etwas bewirken können. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit sollte früh entstehen – idealerweise in der Schule, so dass alle davon profitieren, unabhängig von Herkunft und anderen Rahmenbedingungen.
Studien zeigen, dass die psychischen Belastungen von Schülerinnen und Schülern in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Viele erleben Krisen, ohne eigene Handlungsmöglichkeiten zu sehen. Genau hier setzen die Ideathons an: im direkten Lebensumfeld der Schülerinnen und Schüler. Sie entwickeln eigene Ideen und stoßen Veränderungen an. Dabei erfahren sie konkret: Meine Stimme zählt, ich kann etwas bewirken. Diese Erfahrung kann helfen, aus einem Gefühl der Ohnmacht herauszukommen.

Über eure Schulberater und -beraterinnen seid ihr im direkten Austausch mit Schulen. Welche Rückmeldungen erhaltet ihr in Bezug auf das Stimmungsbild in den Schulen?
Schulen sind durch die Vielzahl an Aufgaben stark belastet. Gleichzeitig haben auch Lehrkräfte die Krisen der vergangenen Jahre deutlich gespürt. Im Schulalltag sehen sie die Auswirkungen unter anderem in den psychischen Belastungen vieler Kinder und Jugendlicher.
Bei unseren Angeboten berücksichtigen wir diese Situation. Gerade deshalb ist der Ideathon als schlankes, agiles Format geeignet: Er ermöglicht es, Impulse zu setzen und Veränderungen anzustoßen, ohne zusätzlichen großen Aufwand zu erzeugen.
Wie wurde das Konzept der Ideathons aus dem vergangenen Jahr für Schulen angepasst?
Wir haben das Format so angepasst, dass sich die Entwicklung der Ideen an einem Tag innerhalb einer Klasse umsetzen lässt, und arbeiten dabei eng mit den Medienpädagogen und -pädagoginnen des Competence Centers Young Audiences (CCYA) von #UseTheNews zusammen. Unsere pädagogischen Expertinnen und Experten bei Westermann sorgen dafür, dass sich der Ideathon gut in den Schulalltag integrieren lässt. Die Umsetzung der Projekte ist dann Teil des Formats. Hier sind wir gespannt, was sich daraus entwickeln wird.
Das Format ist bewusst niedrigschwellig angelegt und lässt den Schulen inhaltliche Freiheit. Sie entscheiden vorab, ob sie den Fokus auf Medienprojekte legen oder auf klassische Themen der Demokratiebildung wie Beteiligungsformate oder politische Bildung.
Für Lehrkräfte, die noch nie von einem Ideathon gehört haben: Wie sieht so ein Tag konkret aus, welche Unterstützung bekommen sie?
Die Schule legt einen Projekttag fest, an dem eine Klasse an bereits vorbereiteten Ideen weiterarbeitet. Diese Ideen entstehen im Vorfeld gemeinsam mit der Lehrkraft.
Am Ideathon-Tag entscheiden die Schülerinnen und Schüler, an welchem Projekt sie arbeiten möchten, und entwickeln die Ansätze in Gruppen weiter. Ein zentrales Kriterium ist die Umsetzbarkeit. Begleitet werden sie von Lehrkräften sowie von Mediencoaches des CCYAs, von #UseTheNews und von Westermann.
Am Ende präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse vor einer Jury, in der auch Schülerinnen und Schüler vertreten sind. Das ausgewählte Projekt wird anschließend weiter begleitet – nicht finanziell, aber durch Beratung, Tipps und Kontakte.
Was sollte eine Bewerbung einer Schule für den Ideathon aus deiner Sicht unbedingt enthalten?
Wichtig ist, dass die Schule ein ernsthaftes Interesse daran zeigt, Demokratiebildung zu stärken. Hilfreich ist es, wenn Lehrkräfte mit der Klasse bereits erste Ideen entwickelt haben. Die Bewerbung ist bewusst niedrigschwellig gehalten, damit eine Teilnahme ohne großen Aufwand möglich ist.
Können Schulen, die nicht ausgewählt werden, die Idee eines Ideathons auch selbstständig umsetzen?
Wir stellen ein Booklet zur Verfügung, in dem wir das Format erklären und konkrete Hinweise zur Umsetzung geben. Zusätzlich werden wir unsere Erfahrungen aus den Ideathons aufbereiten und als Werkstattberichte veröffentlichen, damit andere Schulen davon profitieren können.
Entscheidend ist die Bereitschaft, Schülerinnen und Schüler bei ihren Ideen zu unterstützen, ohne sie zu bevormunden.
Was wäre dein Wunsch, was aus dem Projekt entsteht?
Ich wünsche mir, dass der Ideathon der Ausgangspunkt für eine Entwicklung ist, in der Selbstwirksamkeit im Schulalltag eine größere Rolle spielt. Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur punktuell, sondern regelmäßig erfahren, dass sie gehört werden und dass sie etwas verändern können. Wenn das Format dazu beiträgt, weitere Ideen und Formate anzustoßen und ein Umdenken zu fördern, wäre viel erreicht.
Im vergangenen Jahr habt ihr im Rahmen der Kampagne "Demokratie lebt" schon ein Newscamp ausgeschrieben und ihr bietet kostenfrei zugängliche Materialien an. Inwiefern können Lehrkräfte die Angebote der Kampagne sinnvoll kombinieren?
Im Newscamp stärken Schülerinnen und Schüler ihre Informationskompetenz. Diese können sie anschließend nutzen, um eigene Projekte zu entwickeln. In den Workshops erhalten sie Anregungen aus Journalismus und Medienpädagogik und verstehen, warum ein reflektierter Umgang mit Medien wichtig ist.
Das schafft eine gute Grundlage für eigene Projekte. Lehrkräfte können unsere Materialien und die Angebote von #UseTheNews nutzen, um Impulse für die Ideenentwicklung zu geben und einen bewussten Umgang mit Medien zu fördern. Der Ideathon knüpft daran direkt an.
Kampagnenfoto oben: Markus Hertrich