Studienüberblick 2026: Gebündeltes Wissen zu jungen Zielgruppen

Das Informationsverhalten junger Menschen, ihre Meinungsbildung und die Rolle digitaler Plattformen stehen weltweit im Mittelpunkt einer wachsenden gesellschaftlichen und politischen Debatte. In diesem #UseTheNews-Studienüberblick bündelt das Leibniz-Institut für Medienforschung das Wissen aus sechs Jahren Forschung und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Journalismus, Bildung und Medienpädagogik.

Zwischen 2020 und 2026 hat das Leibniz-Institut für Medienforschung | HBI für #UseTheNews eine Reihe wissenschaftlicher Publikationen veröffentlicht und zahlreiche Publikationen ausgewertet, die sich mit Informations-, Meinungsbildungs- und Kompetenzaspekten junger Menschen im digitalen, plattformgesteuerten Medienumfeld auseinandersetzen. Diese neue Forschungssynopse fasst die Kernergebnisse der bisherigen #UseTheNews-Studien zusammen, reichert weitere empirische Erkenntnisse an und leitet daraus konkrete Implikationen für die Praxis ab.

 

Das geschieht entlang der Leitfrage, welche Rolle plattformbasierte Informationsumgebungen und dort auftretende Akteure in Informations- und Meinungsbildungsprozessen sowie für die Teilhabe und den Kompetenzerwerb Jugendlicher und junger Erwachsener spielen. In Ergänzung zur inhaltlichen Auswertung bisheriger Publikationen wurden dafür auch Stimmen von Medienschaffenden und Bildungsakteurinnen und -akteuren eingeholt. So liefert dieses Papier eine fundierte Basis für die weiteren Aktivitäten von #UseTheNews.

Visual_UseTheNews-Studiensynopse_2026
Einblick in die Forschungssynopse "Was haben Nachrichten mit meinem Leben zu tun?"

"Die Synopse zeigt, dass Informations- und Meinungsbildung junger Menschen komplex, vielfältig und stark vom digitalen Plattformumfeld geprägt ist. Junge Menschen sind weder pauschal nachrichtenfern noch politisch desinteressiert. Aber sie informieren sich sehr unterschiedlich, ordnen Quellen nicht immer trennscharf ein und orientieren sich online zunehmend an einzelnen Persönlichkeiten. Entscheidend ist: Nicht die Plattformen allein bestimmen, was relevant wird, sondern das Bedürfnis nach Orientierung, Zugehörigkeit und Anschluss. Für Journalismus und Bildung heißt das, junge Menschen differenziert anzusprechen, Informationsungleichheiten ernst zu nehmen und Angebote zu schaffen, die Vertrauen, Wissen und gesellschaftliche Teilhabe stärken", sagt Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung | HBI und Autorin des Forschungsüberblicks.

 

Implikationen für die Praxis

 

Für Medienhäuser und Journalist:innen ergibt sich aus den Befunden des Studienüberblicks: Professioneller Journalismus bleibt für junge Menschen eine wichtige Informationsinstanz. Um aber auch jene zu erreichen, die bislang kaum adressiert werden, braucht es mehr als eine oberflächliche Verjüngung von Angeboten. Journalistische Inhalte müssen strukturell anders produziert, erzählt und kommuniziert werden: alltagsnah, verständlich und auf Augenhöhe. Kooperationen mit Content Creator können helfen, Reichweite und Glaubwürdigkeit gleichermaßen zu stärken.

 

Auch für die Medienbildung ergeben sich daraus konkrete Anforderungen: Die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz muss konsequent auf die unterschiedlichen Voraussetzungen junger Menschen ausgerichtet sein - nach Bildungsstand, Alter und Lebenssituation. Ein geringes Gefühl von Selbstwirksamkeit ist dabei eine der größten Hürden für demokratische Teilhabe.

 

Bildungsangebote sollten deshalb gezielt Erfahrungen von Handlungsfähigkeit ermöglichen, zum Beispiel durch Projekte, in denen junge Menschen eigene Themen setzen, Entscheidungen mitgestalten und die Wirkung ihres Engagements konkret erleben. Zugleich sollten algorithmische Kompetenz und das Bewusstsein für Chancen und Risiken von KI gezielt gestärkt werden. Wirksame Medienbildung denkt dabei Schule, Familie, Peergroup und digitale Lebenswelten zusammen.

"Die Informations- und Meinungsbildung junger Menschen ist komplex, vielfältig und stark vom digitalen Plattformumfeld geprägt. Junge Menschen sind weder pauschal nachrichtenfern noch politisch desinteressiert." – Dr. Leonie Alatassi

"Der Forschungsüberblick liefert eine starke wissenschaftliche Grundlage, um in Journalismus und Bildung dort anzusetzen, wo Handeln gefordert ist. Nachrichten- und Informationskompetenz ist dabei längst kein Nischenthema mehr, sondern eine Schlüsselkompetenz für demokratische Teilhabe und eine Gemeinschaftsaufgabe für Medien, Schule, Familien und Politik. Genau daran arbeiten wir als Initiative und verfolgen das Ziel, bis 2030 jedem Schulkind in Deutschland ein verbindliches Unterrichtsangebot für Nachrichten- und Informationskompetenz zu ermöglichen", so Vanessa Bitter, Geschäftsführerin der UseTheNews gGmbH.

 

Über den Forschungüberblick

 

Der Forschungsüberblick "Was haben Nachrichten mit meinem Leben zu tun?" wurde von Dr. Leonie Alatassi und Dr. Sascha Hölig vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) im Rahmen der Initiative #UseTheNews erarbeitet. Er basiert auf zehn wissenschaftlichen Publikationen, darunter fünf Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften, sowie rund 130 Studien, die zwischen 2020 und 2026 für den monatlichen Studienüberblick im #UseTheNews-Newsletter ausgewertet wurden. Die Grundlage bilden überwiegend qualitative Interview- und Fokusgruppenstudien mit jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren. Die Synopse ist eine strukturierte Zusammenfassung und Einordnung der zentralen Befunde - ergänzt durch Stimmen aus der Praxis von Medienschaffenden und Bildungsakteurinnen und -akteuren.