Amelie Marie Weber
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5 Tipps für die Kurzvideo-Produktion

Wer auf Social Media erfolgreich sein will, kommt an Kurzvideos nicht vorbei. Doch wie gelingen gute Inhalte für TikTok, Reels, Shorts und Co.? #UseTheNews-Mitglied Amelie Marie Weber hat den TikTok-Kanal der FUNKE Mediengruppe aufgebaut und gibt hier ihre wichtigsten 5 Tipps.

2023-02-16 — Amelie Marie Weber

1. Schneidet eure Themen auf die Zielgruppe zu!

 

„Welche Themen funktionieren bei TikTok?“, ist eine der häufigsten Fragen, die sich Medienschaffende stellen, bevor sie auf der Plattform starten.  Die Antwort lautet: „Alle“. Es kommt einfach ganz darauf an, wie wir sie aufbereiten. Täglich werden unzählige Kurzvideos zu verschiedensten Themen ins Netz geladen. Viele sind nur zur Unterhaltung gedacht, doch eine große Anzahl transportiert auch wertvolles Wissen. 

 

Wer hätte gedacht, dass die erfolgreichsten TikTok-Creator Deutschlands auch vermeintlich trockene Themen wie Jura oder Steuern erklären? Tim Hendrik Walter (@herranwalt) oder Fabian Walter (@steuerfabi) begeistern mit ihren Lernvideos ein Millionen-Publikum. Ihr Erfolgsgeheimnis liegt vor allem darin zu verdeutlichen, was ihre Themen mit dem Leben der jungen Zielgruppe zu tun haben und warum sie für sie relevant sind. Erfolgreich ist, wer den Nutzerinnen und Nutzern einen echten Mehrwert bietet – egal, zu welchem Thema.

2. Verbindet Information mit Emotion!

 

TikTok, Reels und Co. leben von Emotionen. Rührende Katzenvideos, atemberaubende Actionszenen, zum Schreien komische Comedyclips – das kommt gut an. Nüchterne Nachrichten haben es daneben schwer. Creator, die Informationen vermitteln möchten, müssen deshalb einen Weg finden, ihre Themen zu emotionalisieren, ohne unseriös zu werden. Information und Emotion schließen einander nicht aus, doch es erfordert Mühe und Geschick, sie in Einklang zu bringen.

 

Auch Lernvideos können und sollten lustig, aufregend oder bewegend sein. Darunter dürfen journalistische Standards selbstverständlich nicht leiden. Es ist eine Herausforderung, den richtigen Ton zu treffen, ohne Clickbaiting zu betreiben oder Panik zu verbreiten. Doch die Arbeit lohnt sich: Wer es schafft, der Community etwas beizubringen und sie zugleich zum Staunen, Schluchzen oder Schmunzeln zu bringen, fesselt sie an sich.

3. Fasst euch kurz! 

 

Es liegt auf der Hand und muss dennoch besonders betont werden: Kurzvideos sollten kurz sein. Wie kurz? So kurz wie möglich. Die sogenannte „Watchtime“ ist eine wichtige Variable im Algorithmus von TikTok, Reels und Co. Das bedeutet, dass der Erfolg eines Videos stark davon abhängt, wie lange Nutzerinnen und Nutzer dranbleiben. Wie viele von ihnen schauen sich den Clip bis zum Schluss an? Wie hoch ist die durchschnittliche Nutzungsdauer? Schauen manche den Clip vielleicht sogar mehrmals an? Eine gute Watchtime erhöht die Chancen viral zu gehen enorm. 

 

Und je kürzer ein Clip ist, desto wahrscheinlicher ist, dass Nutzerinnen und Nutzer ihn sich bis zum Schluss anschauen. Deshalb sollten Creator über jeden Satz, jeden Nebensatz, jedes Wort genau nachdenken und sich stets fragen, ob sie noch prägnanter und kürzer sein können. Zwar dürfen TikTok-Clips inzwischen bis zu zehn Minuten lang sein, doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein so langes Video viral geht, ist extrem gering. Reels und Shorts beschränken sich bisher auf 60 bis 90 Sekunden.

 

Anstatt ein Thema in 90 Sekunden zu erklären, könnten Sie es möglicherweise in drei einzelne Fragen aufteilen und so drei 30-sekündige Videos produzieren. Gerade Journalistinnen und Journalisten haben oft das Bedürfnis, Themen ausführlich und von allen Seiten zu beleuchten. Dafür bleibt in Kurzvideos schlicht und einfach keine Zeit. Reduziert Komplexität und Dauer – der Algorithmus wird es belohnen.

4. Kreiert einen „Scrollstopper“!

 

Wie immer im Leben gilt auch für Kurzvideos: der erste Eindruck zählt. Stundenlang scrollen Nutzerinnen und Nutzer von Video zu Video. Innerhalb weniger Sekunden entscheiden sie, ob sie dem Video eine Chance geben oder munter weiterwischen.

 

Was Creator deshalb brauchen, ist ein so genannter Scrollstopper. Ein Überraschungsmoment, der Nutzerinnen und Nutzer zu Zuschauerinnen und Zuschauern macht. Der Einstieg in ein Kurzvideo ist deshalb extrem wichtig. Ein fesselndes Bild, ein unerwarteter Satz, ein lustiger Effekt – es gibt viele Möglichkeiten, im Strudel der Videos aufzufallen. Nutzt sie.

5. Bleibt dran!

 

Die goldene Regel „weniger ist mehr“ gilt bei Kurzvideos ganz und gar nicht. Das Motto lautet eher: „viel hilft viel“, denn jedes Video bietet aufs Neue die Chance, viral zu gehen. Doch Vorsicht: Natürlich sollte die Qualität aufgrund der Quantität nicht leiden. Erfolgreiche Influencer laden mitunter mehrere Videos pro Tag hoch. Mit den üblichen Personalressourcen in Redaktionen und einem gewissen Informationsanspruch, ist das kaum möglich. Im Zweifel sollte man sich dann doch lieber um zwei gute Videos statt sieben schlechte bemühen. Wichtig ist in jedem Fall, dass kontinuierlich neue Inhalte produziert werden und auf fünf Videos pro Woche nicht fünf videolose Wochen folgen. 

 

Auch sonst lohnt es sich, dranzubleiben. Die Algorithmen bei TikTok, Reels und Co. ermöglichen Millionenreichweiten in kurzer Zeit, sie garantieren sie aber nicht. Creator sollten deshalb nicht enttäuscht sein, wenn der große Durchbruch auf sich warten lässt. Man kann mit dem ersten Video drei Millionen Views erreichen oder dreißig. Man kann in Windeseile Tausende Follower erreichen oder eine ganze Zeit lang quasi gar nicht entdeckt werden. Exakte Reichweitenziele sind deshalb schwer zu formulieren. Redaktionen sollten sich stattdessen überlegen, ob sie ihren Erfolg auch an anderen Faktoren messen können: Verstehen wir die Plattform? Machen wir guten Journalismus? Verbessert sich die Qualität unserer Videos? Finden wir neue Erzählwege? Es kommt nicht nur auf die Zahlen an. 

Noch mehr Tipps? 

 

Weitere Tipps findet ihr in der aktuellen Werkstatt-Beilage von Medium Magazin mit dem Titel „Das 1x1 der Kurzvideos“. Autorin Amelie Marie Weber gibt darin ihr eigenes Wissen aus mehr als zwei Jahren Kurzvideo-Erfahrung weiter. Es geht ums Drehen, Schneiden und Moderieren. Außerdem verraten bekannte TikTok-Creator ihre Tricks für virale Clips und Antje Kießler vom Social-Media-Team der Tagesschau gewährt im Interview einen Blick hinter Kulissen des erfolgreichen TikTok-Kanals der Nachrichtenmarke. 

 

Hier könnt ihr die Ausgabe bestellen: https://shop.oberauer.com/werkstatt/journalisten-werkstatt/570/das-1x1-fuer-kurzvideos